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Unternehmens-steuerung im Zeitalter der Great Uncertainty



Frage: Mehr Umsatz oder mehr Gewinn, was bevorzugst Du? Antwort: Beides.


Diese naive Frage richtete ich 2010 an den #CFO meines damaligen Arbeitgebers. Die Binsenweisheit „Profit is an opinion, cash is a fact” war zwar bereits damals weit verbreitet, dennoch ist in 2022 vieles ganz anders als kurz nach der überstandenen #Finanzkrise, die mit wenigen Ausnahmen kaum Auswirkungen auf die Realwirtschaft hatte.


Das Jahrzehnt der Dauerkrise


Unterbrechungen von Lieferketten, eine seit Generationen nicht gesehene #Inflation, ein Krieg in Europa und eine #Energiekrise bestimmen nicht nur die Nachrichten sondern auch die Unternehmenssteuerung. Ist das schon alles? Mitnichten, denn heute muss überall eine Portion #ESG drinnen sein, und die Mitarbeiter:innen verlangen zurecht nach einem #Purpose in ihrer Tätigkeit.


In einem angebotsorientierten Arbeitsmarkt, wo ein Gerangel um Schlüsselarbeitskräfte herrscht, scheuen viele Unternehmen davor zurück, Teile der Belegschaft aus Kostengründen freizusetzen. Denn dadurch würden sie Gefahr laufen, in weiterer Folge auch ihre besten Köpfe zu verlieren, weil letztere womöglich nicht länger einem Unternehmen die Treue halten wollen, wenn sie sich mit den Entscheidungen des #Leadership nicht identifizieren können.


Betriebe der verarbeitenden Industrie häuften aus Sorge vor Lieferengpässen und geopolitischen Spannungen monatelang große Vorräte an, um die eigene Produktion am Laufen zu halten. Heute sitzen sie auf vollen Lagern und haben zunehmend ein Liquiditätsproblem, weil es vielen Konsumenten mittlerweile an Kaufkraft fehlt.


Können Unternehmen weiterhin auf das Füllhorn des Staates vertrauen? Grundsätzlich ja, aber die teilweise üppigen COVID-Hilfen haben im Staatshaushalt Spuren hinterlassen, Reformstau und steigende Zinsen tun ihr Übriges. Davon abgesehen rittern Staaten und der private Sektor gleichermaßen um Finanzierungen auf dem Kapitalmarkt. Ziehen Unternehmen dabei den Kürzeren, so geht dies in der Regel zu Lasten von Investitionen und #Innovation. Zudem feuern neue Staatsschulden zusätzlich die Inflation an. Der Vollständigkeit halber muss natürlich erwähnt werden, dass die hohe Inflation auch eine positive Begleiterscheinung hat: Sie lässt nämlich den Berg an Staatsschulden "schmelzen".


Im heutigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeld ist es nahezu unmöglich, alles richtig zu machen und dementsprechend viele, sich zum Teil widersprechende Kennzahlen gleichzeitig zu erfüllen.


Im Zeitalter der Great Uncertainty ist lediglich gewiss, dass nichts gewiss ist. Daher verbuchen manche Unternehmen es bereits als Erfolg, mehr richtig bzw. weniger falsch als ihre Mitbewerber zu machen.


10 Empfehlungen


Im Folgenden finden Sie zehn Empfehlungen, wie Sie den oben skizzierten Herausforderungen am besten begegnen können:


  1. Unternehmensvision und langfristige Zielsetzungen definieren und diese mit Share- und relevanten Stakeholdern, vor allem Mitarbeiter:innen, Banken und Lieferanten, teilen;

  2. Basierend darauf 5 bis maximal 10 Kennzahlen auswählen, regelmäßig den aktuellen Status quo erheben, die eigenen Stärken und Schwächen sowie die der Mitbewerber analysieren und gegebenenfalls ein Finetuning in der Unternehmenssteuerung vornehmen;

  3. Sich jeden Tag verinnerlichen, wo letztendlich das Geld herkommt, nämlich vom Kunden; daher ist der Kunde ausnahmslos in den Mittelpunkt sämtlicher Geschäftsprozesse zu stellen. Das Grundprinzip, dass sich Dienstleistung aus einer exzellenten Leistung und einem Dienen zusammensetzen, hatte vermutlich niemals mehr Gültigkeit als heute.

  4. Nicht #Unternehmenskultur und -werte predigen, sondern diese im Alltag leben;

  5. Die Unternehmenssteuerung mittels #Szenarien unterstützen: Ein Basis- und ein worst case-Szenario reicht bei den meisten Unternehmen vollkommen aus.

  6. Ein empathisches, kompetentes und ethisch handelndes #Leadership einsetzen, das internen Widerspruch und abweichende Meinungen nicht nur zu duldet sondern diese bewusst fördert;

  7. Erfolge feiern, gleichzeitig Niederlagen und schlechte Nachrichten zeitnah, ehrlich und transparent teilen; die Wahrheit ist den Menschen zumutbar, und das Verständnis dafür ist viel größer, als man gemeinhin annehmen würde.

  8. Soziales Engagement forcieren: Dieses sollte authentisch sein und gemäß dem Grundsatz “tue Gutes und rede darüber” praktiziert werden.

  9. Auf Sicht fahren, gleichzeitig nicht zögern, kurzfristig sich ergebende Gelegenheiten (z.B. Akquisitionen, Launch neuer Produkte) zu ergreifen;

  10. #Innovation, Innovation und Innovation


Fazit


Wenn die aktuelle Dauerkrise einst vorbeigezogen sein wird und sich langsam die Nebel lichten, so wird nicht länger das finanzstärkste Unternehmen als Sieger vom Platz gehen. Es werden finanziell resiliente, sozial verantwortliche, nachhaltige, opportunistische und innovative Unternehmen sein, die unsere Zukunft bestimmen.


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Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht auf LinkedIn am 1. Dezember 2022.

Bildquelle: Stanford eCorner

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